Thursday, December 21, 2006

Prüfungen und Weihnachten à la française

Heute ist es geschafft, die letzte Prüfung ist geschrieben! Hier an Sciences Po dürfen alle Erasmusstudenten ihre Klausuren vor Weihnachten schreiben, damit die, die nur ein Semester bleiben, nicht nach Weihnachten für eine Woche nach Bordeaux zurückkommen müssen. Das hat den netten Nebeneffekt, dass alle, die ein Jahr bleiben, drei lange Wochen Weihnachtsferien haben. Und nach Weihnachten beginnt dann das Sommer... äh... 2. Semester. Bei den Prüfungen war von mündlich bis Multiple-Choice-Klausuren alles möglich - letztere werden hier von einer Maschine korrigiert, durch die der einzelne Student per Barcode registriert wird.

Die Adventszeit und Weihnachten werden hier auch durchaus anders begangen als bei uns. Ein Advent im eigentlichen Sinne existiert nicht, auch Adventstraditionen wie in Deutschland sind Mangelware. Plätzchen sind hier auch unbekannt, werden aber im Allgemeinen sehr geschätzt (Quelle: eigene Experimente an lebenden Objekten... äh... Franzosen.... ich habe halt Plätzchen mitgebracht und sie waren sehr sehr schnell weg.) Dafür steht oft schon seit dem 1. Adventssonntag, spätestens aber seit dem 2. der Christbaum, in der Hoffnung, dass er bis Weihnachten nicht zu sehr nadelt. Der wird dann mit Lichterketten und Girlanden in allen nur möglichen Farben geschmückt. Das hässlichste, aber irgendwie auch typischste Exemplar steht in der Halle des IEP: mit kleinen gelben und größeren blauen, blinkenden Lichtern, dazu Girlanden in silber, blau und violett und einige (durchaus unauffällige) Kugeln in rot und gold. Der französische Adventskalender hat, soweit er sich denn von Deutschland her verbreitet hat, 25 Türchen, denn Weihnachten ist hier wirklich erst in der Nacht vom 24. auf den 25. und die Geschenke, nachts vom Père Noël vorbeigebracht, gibt es so erst am 25. morgens. Die Messen sind mitten in der Nacht, gerne auch erst um Mitternacht. Wie in Deutschland auch ist Weihnachten aber vor allem eine Gelegenheit für maßlosen Konsum, Geschenkrausch und Kauforgien. Beliebte Gerichte und Speisen in dieser Zeit sind foie gras (Gänseleber), Maronen und Lachs, zum Nachtisch gibt es bereits jetzt oft eine galette des rois, die eigentlich erst am 6. Januar gegessen wird (ein spezieller Kuchen, in den eine kleine Porzellanfigur eingebacken ist - wer sie findet bekommt die beigelegte Krone und hat wohl im gerade begonnen Jahr besonders viel Glück).

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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